OLDENBURG 2008
STADTFÜHRUNG "KLASSISCH": MIT DEN AUGEN DER KINDER
Zwanzig Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse der IGS Flötenteich nehmen am Communauten-Projekt teil, und sie sind vor Begeisterung kaum zu bremsen: Bei der Führung durch das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte fragen sie Uni-Dozentin Berit Pleitner ein Loch in den Bauch. Ihr Konzept kann Berit Pleitner zwar über den Haufen werfen, aber viel wichtiger ist, dass die Fünftklässler offensichtlich großes Interesse an der Stadtgeschichte Oldenburgs haben.
Die Begeisterung für das Thema bricht in den kommenden Wochen nicht ab. Obwohl die Treffen der Communauten erst in der 7. und 8. Stunde stattfinden, ist die Klasse immer motiviert. Besonders begeistert sind die Schülerinnen und Schüler, wenn sie zu Exkursionen in die Stadt aufbrechen: Nach dem Besuch des Museums suchen sie in weiteren Erkundungsgängen die Punkte aus, für die sie eine Führung vorbereiten wollen. Diese Arbeit wird auf kleine Gruppen aufgeteilt, die in den kommenden Wochen Informationen über „ihre“ Sehenswürdigkeit zusammentragen. Unterstützt werden sie dabei von ihren Lehrkräften Beate Bartholomaei und Jens Flottmann sowie den studentischen Betreuern Claas Neumann und Christian Stach.
Die 5. Klasse hat sich – zum Erstaunen der Erwachsenen – für eine klassische Form der Stadtführung entschieden, allerdings mit dem wichtigen Unterschied, dass sie die einzelnen Sehenswürdigkeiten Oldenburgs aus ihrer Sicht, das heißt aus der Schülersicht, darstellen wollen. Die Mädchen und Jungen entscheiden sich für das Schloss, das Theater, das Degode-Haus und den Pulverturm als Stationen ihrer Führung.
Im Wechsel von Exkursion und Klassenzimmer arbeiten die Schülerinnen und Schüler ihre Rechercheergebnisse aus. Die beiden studentischen Betreuer Claas Neumann und Christian Stach empfehlen nach ihrer Erfahrung mit den Schülerinnen und Schülern, für ein Projekt dieser Art den Schulraum und damit den Klassenalltag nach Möglichkeit noch öfter zu verlassen. Sie haben erlebt, dass die Schülerinnen und Schüler in einem anderen Umfeld oft wie „ausgewechselt“ waren: Schüler, die sonst häufiger mal den Unterricht stören, hörten an anderem Ort aufmerksam zu, Schüchterne kamen mit vielen Fragen und haben deutlich an Selbstbewusstsein gewonnen. Zudem verringerten die Exkursionen auch die Distanz zwischen betreuenden Studenten, Lehrkräften und Schülern. Aus dem Umgang miteinander entstand ein Team.
Die studentischen Betreuer betonen besonders, dass außerhalb des Klassenzimmers ein „Perspektivwechsel“ möglich sei: Kleinigkeiten wie beispielsweise die besondere Beschaffenheit eines Straßenbelags oder verschiedene Ornamente und Lichter an der Decke des Theatersaals wären den Erwachsenen wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Doch die Neugier der Schülerinnen und Schüler wirkte ansteckend. Erstaunlicherweise behielten sie detaillierte Informationen über Wochen im Kopf – die Begegnungen außerhalb des Klassenzimmers haben dazu beigetragen, Wissen anders aufzunehmen. Und auch die Arbeitsphasen in der Schule haben davon profitieren können, denn die Verarbeitung des neu erworbenen Wissens in kleinen Gruppen wird von einer hoch motivierten Stimmung begleitet.
Die praktische Umsetzung des frisch gewonnenen Wissens üben die Communauten mithilfe einer Videokamera. Zunächst haben sie Texte zu ihren vier Stationen Schloss, Theater, Degode-Haus und Pulverturm geschrieben, anschließend wird die Präsentation vor der Kamera probiert und verbessert. Außerdem machen sie die wichtige Erfahrung, dass keine Frage eine doofe Frage ist – wer vorn vor einer Gruppe steht, muss sich auf viele Fragen aus dem Publikum gefasst machen. Auf diese Weise werden die Communauten der 5. Klasse schrittweise mit der realen Situation einer Führung vertraut.

