PAPENBURG 2008PAPENBURG 2008

UNTERWEGS IN UNTENENDE

Die Communauten filmen sich gegenseitig auf dem Schulgelände
Die Communauten filmen sich gegenseitig auf dem Schulgelände

 

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Erfahrungsbericht von Monika Schendzielorz

Gut, damit haben sie alle größeren Geschäfte und Einkaufszentren aufgezählt. Auf unsere Nachfrage, ob sie denn wissen, welche Sehenswürdigkeiten es im Stadtzentrum gibt, zählen sie den Zeitspeicher, die Mühle, die Antoniuskirche und den Stadtpark auf. Allmählich kommt der Gesprächsfluss in Gang und ihnen fällt immer mehr ein, was Papenburg zu bieten hat. Auf die Frage, was sie Freunden oder Kindern, die nicht aus Papenburg kommen, zeigen würden, kamen das Hallenbad, das Stadion mit dem Fußballplatz und das Jugendzentrum auf die Liste.


Nach der Gesprächsrunde filmen die Kinder sich gegenseitig, stellen sich dabei vor und erzählen, was sie Kindern bei einer Stadtführung zeigen würden. Am Schluss des ersten Treffens planen wir eine Fahrradtour für den folgenden Termin und legen die Orte fest, die wir besuchen wollen. Dabei zeigen sich einige erstaunliche Wissenslücken, so ist z. B. einem Mädchen unbekannt, wo sich das Rathaus in Papenburg befindet.


Sieben Kinder haben sich für das Projekt gemeldet: Sie besuchen die 5. Klasse der Hauptschule im Schulzentrum Kleiststraße. Beim ersten Termin dort sitzen die Kinder etwas schüchtern im Kreis, wissen sie doch nicht so recht, was auf sie zukommen wird. Außerdem sitzen wir ihnen mit fünf Erwachsenen gegenüber, denn außer mir sind noch Laura Wolfram, die in der Kunstschule ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) macht, Ragnar Wilke, der Medienpädagoge des Jugendzentrums, und seine Praktikantin Julia Lass, sowie Frau Rauert, eine Lehrerin des Schulzentrums, an dem Projekt
beteiligt.


Wir stellen uns erst einmal alle vor, danach erzähle ich den Kindern von dem Projekt. Auf die Frage, was die Kinder denn vom Untenende, ihrem zukünftigen Forschungsgebiet, kennen, kam ein lang gezogenes: „Jaaa – da gibt es Ceka. Und das Ems-Center, den Dever-Park, C&A und natürlich nicht zu vergessen Mc Donald’s.“

 

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Papenburg im Regen

Bei den ersten Treffen erkunden die Communauten ihren Stadtteil erst einmal per Fahrrad. Wenn das Wetter nicht mitspielt – was leider oft der Fall ist –, weichen wir auf den Klassenraum oder die Kunstschule aus. Dort können die Kinder kreativ am Projekt arbeiten. Schwierig ist es bei den ersten Terminen mit der Filmarbeit, denn nachdem der Medienpädagoge Ragnar Wilke den Kindern gezeigt hat, wie Kamera und Mikrofon funktionieren, wollen sie es natürlich ausprobieren, was der einsetzende Regen verhindert.


So entwerfen Kevin und Rene ein Papenburg-Spiel und alle Kinder machen sich gemeinsam Gedanken darüber, in welcher Form andere Kinder etwas über Papenburg erfahren können – sei es als Spiel oder als Rallye durch die Stadt. Außerdem überlegen wir uns in Gruppen, welche Fragen wir bei der für den kommenden Termin geplanten Führung durch die Meyer Werft stellen könnten. Um zu erleben, wie eine Führung verläuft, sei es eine Stadtführung oder eine Führung an einem markanten Ort, besuchen alle Communauten die berühmte Meyer Werft. Da der Regen den Ausflugsplänen immer wieder einen Strich durch die Rechnung macht, beschließen die – manchmal auch pitschnassen – Kinder, sich lieber ein Brettspiel auszudenken, als andere durch den Regen zu jagen.


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Kreative Lösungen
Um den Kindern ein Beispiel für ein Papenburg-Spiel zu zeigen, spielen wir im Dezember ein Memory-Spiel. Dieses Spiel wurde von einer Buchhandlung in Papenburg entworfen und beinhaltet Fragen und Antworten über Papenburg. Beim Memory-Spiel sind die Kinder eifrig dabei. Das Spielen macht ihnen Spaß, und es zeigt sich, dass sie doch viele Orte in Papenburg kennen und die Fragen zu den Bildern beantworten können. Im neuen Jahr beginnen wir mit einem Besuch des Zeitspeichers, ein städtisches Museum, in dem die Geschichte Papenburgs interaktiv dargestellt wird. Agathe Blanke von der Tourismus GmbH führt die Kinder durch diese Ausstellung. Sie ist für Kinderführungen geschult und erzählt den Kindern sehr anschaulich, wie das Leben früher war.

 

Die Kinder scheinen interessiert, hören zu, wollen aber am Ende der Führung keine Frage von Frau Blanke beantworten. Dafür können sie sich von den Spielmöglichkeiten im zweiten Stockwerk kaum lösen. Nach den bisherigen Erfahrungen und dem Verhalten der Kinder zeigt sich, dass wir mit dieser Gruppe anders arbeiten müssen als ursprünglich geplant. Die Konzentrationsfähigkeit der Schüler ist sehr begrenzt, schnell setzen Ermüdung, Überdruss, Langeweile und Nervosität ein.

 

In ihren Gesprächen dreht es sich immer wieder um pubertätsbedingte Probleme und Schulschwierigkeiten. Wir müssen die Kinder fortwährend zu dem eigentlichen Thema des Projekts zurückführen. Und sie geben inzwischen offen zu, dass sie keine Lust haben, andere Kinder durch Papenburg zu führen. Also überlegen wir, dass wir in dieser Gruppe weniger auf Wissensvermittlung, sondern eher auf künstlerische Praxis setzen müssen. Ihre Begeisterung, das Filmmaterial zu bearbeiten oder Bilder für die geplante Außenaktion zu malen, bringt uns auf die Idee, mit Fotos und Collagen zu arbeiten.


Die beiden folgenden Termine nutzen wir deshalb dafür, in zwei Gruppen Fotos von Papenburg zu machen. All diese Fotos sollen in den verbleibenden Terminen zu einem individuellen Fotoalbum zusammengestellt und gestaltet werden, um das Gesehene und Erlebte anschaulich darzustellen.

 

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Ein Fotoalbum entsteht
Am letzten Termin vor den Osterferien wollen wir uns wieder in der Kunstschule treffen, weil man dort viel besser kreativ arbeiten kann als in der Schule. Laura Wolfram verteilt T-Shirts mit dem Communauten-Logo. Petra Wendholz, die Leiterin der Kunstschule, hat sie für alle Teilnehmer des Projekts angeschafft, weil so ein T-Shirt die Identifikation mit dem Communauten-Projekt fördert. Sie hat Recht damit, Kevin, Jacqueline und Lisa sind ganz begeistert, testen erst, wie ihr Name auf Schmierpapier wirkt, unterschreiben und verzieren dann ihre persönlichen T-Shirts.


Frau Wendholz gibt eine kleine Einführung in die Materialkunde für das Fotoalbum und bespricht mit den Kindern dessen Gestaltung. Sie zeigt ihnen auch tolle Tricks, wie man die verschiedenen Stifte und unterschiedlichen Papiersorten benutzen kann. Außerdem bekommen sie noch verschiedene Scheren, mit denen sie die Bilderränder gestalten können. Nun probieren die Schüler es selber. Auf einem Tisch liegen von allen fotografierten Orten Fotos, und die beiden Mädchen schnappen sich gleich die Fotos von ihrem Lieblingstreffpunkt, dem Baggersee. Sie und Kevin malen und gestalten recht individuell ihre Fotoseiten und sind dabei für ihre Verhältnisse emsig dabei. Kein Wunder – sie üben sich in kreativer Entspannung, indem sie beim Malen permanent reden.


Für die noch freien Termine ist in erster Linie geplant, an den Fotoalben weiterzuarbeiten, damit alle Kinder eine Erinnerung an das Communauten-Projekt mit nach Hause nehmen können, und ein Treffen zwischen allen drei Gruppen zu arrangieren.

 

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